Kohäsionspolitik im neuen EU-Haushalt: von einem Mittel zur Krisenbewältigung (zurück) zu einer langfristigen Strategie

Nach einem vierttägigen Verhandlungsmarathon haben sich die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union am 20. Juli 2020 endlich zu einer Einigung über den kommenden EU-Haushalt (2021-2027) sowie einen zusätzlichen Wiederaufbaufonds durchgerungen. Dieser Blogbeitrag wirft einen Blick darauf, was die Einigung für einen der größten Ausgabenbereiche der EU – die Europäische Kohäsionspolitik – bedeutet. Diese wird als Schlüssel im Kampf gegen die Corona Pandemie gesehen. Es wird darauf ankommen, kurzfristige Anforderungen zur Bewältigung der Corona-Krise mit langfristigen Zielen zur Reduzierung regionaler Ungleichheiten in Einklang zu bringen. (Blogbeitrag in englischer Sprache)

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Die Involvierung regionaler Parlamente in EU-Angelegenheiten: Erkenntnisse aus Forschung und Politik

Der europäische Integrationsprozess hat auch auf regionale Parlamente nachhaltige Auswirkungen. Der Blogbeitrag diskutiert, wie regionale Parlamente drauf reagiert haben, um an der Gestaltung europäischer Politik mitzuwirken. Können wir eine ‘Europäisierung’ regionaler Parlamente beobachten? (Blogbeitrag in englischer Sprache) Weiterlesen

Die Konferenz zur Zukunft Europas und das Dilemma des Europäischen Parlaments

Das Europäische Parlament hat eine schwierige Position innerhalb des instituionellen Gefüges der Europäischen Union inne. Es findet sich gefangen zwischen politischer Ambition und inter-institutionellen Machtkämpfen. Die Konferenz zur Zukunft Europas illustriert das Dilemma – und könnte einen Ausweg bieten. Weiterlesen

Die Corona-Krise und Ungarns Demokratie: ein europäisches Problem

Der Umgang mit der Corona-Krise stellt eine Herausforderung für alle europäischen Demokratien dar. Ein Mitgliedsstaat insbesondere erregt weltweite Aufmerksamkeit: Ungarn. Der Umgang mit der Pandemie verstärkt nicht nur die Spannungen zwischen Brüssel und Budapest. Der mittlerweile offene Konflikt ist ein immanentes, fundamentales Problem der EU. Um eine weitgehende Entzweiung zu verhindern, ist es daher unabdingbar in der EU-Zukunftsdebatte auch grundlegende (Vertrags-)Änderungen ernsthaft in Betracht zu ziehen. (Beitrag in englischer Sprache) Weiterlesen

Die „Corona-Krise“ als Brennglas für regionale Disparitäten und soziale Spannungen

Dass die „Corona-Krise“ nicht nur eine Gesundheitskrise, sondern auch eine Wirtschafts-, Sozial und Politikkrise ist, stellte sich sehr bald heraus. Die Auswirkungen treffen Länder, Regionen und Menschen nicht gleichförmig. Eine zunächst wenig beachtete Gruppe in diesem Diskurs sind Beschäftigte des sekundären Sektors. Die folgende kleine ethnografische Skizze verweist auf die besondere Problematik in alt-industriellen Regionen und den darin lebenden Menschen, die nicht erst seit der Corona-Krise gesellschaftlich zunehmend an den Rand gedrängt werden.

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Die Corona-Krise und das EU-Budget: Eine Gelegenheit für Veränderung?

Die Europäische Union ringt um Lösungen, um der kommende Rezession, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, zu begegnen. Ähnlich wie zur Zeiten der Eurokrise haben Deutschland und die Niederlande einmal mehr eine gemeinsame Haftung für Schulden abgelehnt. Die kommenden Verhandlungen um den gemeinsamen EU-Haushalt bieten jetzt eine zweite Chance, eine solidarische Antwort zu finden. Doch auch hier zeigen sich Analogien zur Eurokrise. Einmal mehr scheint die Europäische Kommission auf vergünstigte Krediten und innovative Finanzprodukte setzen zu müssen. Das könnte problematisch werden. (Beitrag in englischer Sprache) Weiterlesen

Die Zukunft Europas in Zeiten von Corona

Ressourcen und Anstrengungen der EU-Institutionen und der Mitgliedstaaten konzentrieren sich momentan auf den Umgang mit der Covid-19-Pandemie. Dabei sind die Konflikte, welche die Diskussionen um eine angemessene europäische Antwort auf die Krise und ihre künftigen Auswirkungen strukturieren, symptomatisch für ein grundsätzlicheres Bild des Zustands der Union. (Blogbeitrag in englischer Sprache)

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‘Blended Finance’ – ein Ausweg für die aktuellen Verhandlungen zum Mehrjährigen Finanzrahmen der EU?

Die aktuellen EU-Verhandlungen über den nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen sind wieder einmal zäh und konfliktreich. Wie so oft fordern die wohlhabenderen Mitgliedsstaaten, die Mittel insgesamt und insbesondere für die Kohäsionspolitik zu kürzen. Der Blogpost thematisiert, inwiefern „blended finance“ – also das Einholen privater Investoren für (regionale) Investitionen – einen Ausweg für das Patt zwischen den finanzstarken und
-schwachen Mitgliedsstaaten der EU darstellt.

Dieser Beitrag ist in Englischer Sprache verfasst.

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Meinung: Konferenz zur Zukunft Europas – Alte Köche, neue Suppe?

Im Juli 2019 hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einer Rede vor dem Europäischen Parlament ihre politischen Zielsetzungen für die Amtszeit 2019-2024 erläutert. Teil davon ist die von ihr initiierte Konferenz zur Zukunft Europas – ein partizipatives Format, das die europäischen Bürgerinnen und Bürger aktiv in die Debatte um die Zukunft der Europäischen Union einbinden soll. Die EU-Institutionen diskutieren nun, wie genau die Konferenz ablaufen soll und was Schwerpunkte und Ziele sein werden. Ein Kommentar.

(Blogbeitrag in englischer Sprache)

 

It sounded promising: in her speech in the plenary of the European Parliament in July 2019, Ursula von der Leyen, Commission President to be at the time, took a stance in the debate on the future of the European Union by announcing the Conference on the Future of Europe. She underlined how important the EU’s unity was (admittedly not really surprising), she called for involving citizens in the process of reshaping Europe and listening to their suggestions (again: something we have heard before), and she finally pointed out that this process may even result in rethinking the EU’s institutional and legal architecture – which would mean changing the EU treaties, a possibility she would be open for.

Now, the last one does have a bit of a new tone to it. Yes, there have been citizen dialogues in the past; yes, European cultural policies have put a lot of effort into creating some kind of unity-in-diversity-pan-European-identity in order to make the EU an integral aspect of every European’s self-understanding; and yes, especially the European Parliament sometimes sounds like a broken vinyl record from the 1970s: we need to reconnect with the citizens, we need to reconnect with the citi…

However, involving citizens in the process of potential treaty-changes and institutional reform sounds more sincere in terms of an actual bottom-up-approach. The citizen dialogues of the past years, introduced as a means to increase participation and democratic debate in Europe, so far didn’t result in any visible, concrete action. One may wonder: what exactly did we have them for? Holding out the prospect of treaty change as a potential result of the Conference on the Future of Europe, however, offers the possibility of citizen involvement leading to actual change. In contrary to the dialogues held until 2019, citizens will not only be invited to discuss specific policies of the Union, but to give their input on the very setup of the EU of tomorrow.

In its January resolution on the Conference on the Future of Europe, the European Parliament calls for a non-predetermined process, inclusive, open, with the EU institutions, European citizens and civil society being equal partners. It “commits itself to a genuine follow-up of the Conference without delay, with legislative proposals, initiating treaty change or otherwise” and “calls on the other two institutions to make the same commitment”.[1]

The Commission’s communication published a few days later, however, tones things down a notch. Where Commission President von der Leyen found rather clear and forward words when stating in July 2019

I am ready to follow up on what is agreed, including by legislative action if appropriate. I am also open to Treaty change. Should there be a Member of the European Parliament put forward to chair the Conference, I will fully support this idea”,[2]

the Commission’s communication remains vague and fails to mention treaty changes or any hard-fact-action that could result from the upcoming citizen involvement in the process.

This could be read as both, leaving the political guidance to Parliament and Council and staying in the administering background, as well as a PR stunt to allow von der Leyen to make somewhat revolutionary sounding promises which then will fall quietly under the table when negotiating the details of the announced conference. To be fair: substantive treaty changes may seem quite unlikely these days, since they require consensus among the ‘Masters of the Treaties’, i.e. EU member states. The Commission is, of course, very well aware of that. Still, it could at least have opted for increasing public pressure on the Council in order to avoid the renewed future process to become yet another costly but eventually ineffective endeavour.

Regardless of how we want to look at the Commission’s proposal, it is clear that the still to be expected Council Position on the Conference on the Future of Europe will be leading more clearly towards the trilogue negotiations between Commission, Parliament and Council in view of a Joint Declaration.

It is very unlikely that there will be any support or even mention of potential treaty changes as a result from the announced two-year-process coming from the Council. Regarding the question of where the secretariat of the conference should be set up, and who should be chairing the conference, it is yet to be seen whether the Council will give this hat to the Parliament as easily as Commission President von der Leyen suggested in her remarks.

So, to sum up: for the time being, there is no guarantee at all that this time around, the proclaimed citizen involvement will lead to any different results compared to what we’ve already seen in the various citizen dialogues and ‘Debating Europe’ fora in the past. However, the potential outcome with which the conference was announced, and the work force and the institutional attention it has already been allocated, hold some memento and, indeed, some credibility.

Therefore, making use of this potential, and making the conference a success in terms of democratic process, participation and non-determined outcome, will largely depend on the EU institutions’ willingness to do things differently this time. And – this being the comment of a realist – it will most probably have to be the European Parliament that will have to take the lead on those goals during the trilogue negotiations for a Joint Declaration in the end of February.

The Parliament would be well advised to not allow the Council to outrank it in this process, and to not allow the Commission to make it believe that we ‘need to be realistic’ and should therefore not reach for the stars. We have seen this happening in the past, and it is time for new soup, finally.

[1] European Parliament resolution on the European Parliament’s position on the Conference on the Future of Europe, B9-0036/2020, 9 January 2020.

[2] Ursula von der Leyen: A Union that strives for more. My agenda for Europe, Political guidelines for the next European Commission 2019-2024, 16 July 2019.

Rezension: Regional Governance in the EU Regions and the Future of Europe

Prof. Gabriele Abels, die Partnerin des REGIOPARL-Forschungsnetzwerks ist, hat gemeinsam mit Jan Battke einen neuen Sammelband mit dem Titel „Regional Governance in the EU“ veröffentlicht. Dort sind einige hochinteressante Beiträge zu finden, die sich direkt mit Themen beschäftigen, die auch für uns bei REGIOPARL von großem Interesse sind. Mehr zu unseren Eindrücken nach der Lektüre finden sich in dieser englischsprachigen Buchrezension.

(Blogbeitrag in englischer Sprache)

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